Armut im Kanton

Wer sind die Armutsbetroffenen?

Armutsbetroffene leben unter uns, trotzdem wissen die meisten Menschen wenig über sie. Hier stellen wir Ihnen häufige Fragen im Zusammenhang mit Armut vor:
Armut 
Als christliches Hilfswerk liegt es nicht an uns, zu verurteilen. Leid und Not werden nicht dadurch gelindert, dass man Schuldige und Schuld findet. Nur Taten können helfen.

Arm ist, wer mit seinen Einnahmen den gesetzlich festgelegten Grundbedarf für Lebensunterhalt, Wohnkosten und obligatorische Krankenversicherung für sich – und für seine Familie – nicht finanzieren kann.

Oft führt ein Ereignis im Leben zu Armutsbetroffenheit, beispielsweise der Verlust der Arbeitsstelle, die Flucht in ein anderes Land oder eine schwere Krankheit. Und auch der Übergang in eine andere Lebensphase, beispielsweise der Berufseinstieg kann der Beginn von Armutsbetroffenheit sein. Solche Brüche und Übergänge können zu prekären Arbeitsverhältnissen (tiefe Löhne, Vertragslosigkeit, befristete Arbeitseinsätze etc.) führen. Genauso sind aber Lanzeitarbeitslosigkeit, ein Unfall, die Geburt eines Kindes (schränkt die Berufstätigkeit eines Elternteils ein oder verunmöglicht sie), die Trennung von Eltern oder der Tod eines Familienmitgliedes solche Ereignisse im Leben, welche die Ursache von Armut werden können.

Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren haben im Altersvergleich das höchste Risiko arm zu sein. Kinder aus armutsbetroffenen Familien haben zudem ein erhöhtes Risiko, im Erwachsenenalter arm zu bleiben. Weitere Risikogruppen sind Alleinerziehende, Unterhaltspflichtige, Familien mit drei und mehr Kindern, wenig qualifizierte Arbeitnehmende, Migrantinnen und Migranten sowie Alleinstehende.

Das Haushaltbudget wird in der Sozialhilfe auf Basis der SKOS-Richtlinien (Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe) für eine Person sowie für Eltern mit zwei Kindern folgendermassen berechnet:

Einpersonen Haushalt
Grundbedarf für den Lebensunterhalt: Fr. 986.–
+ effektiver Mietzins
+ Krankenkassenprämie (Grundversicherung unter Berücksichtigung der Prämienverbilligung)

Eltern mit 2 Kindern
Grundbedarf für den Lebensunterhalt: Fr. 2'110.–
+ effektiver Mietzins
+ Krankenkassenprämie (Grundversicherung unter Berücksichtigung der Prämienverbilligung)

Vom Betrag für den Grundbedarf werden neben Nahrung auch Kleider, Körperpflege, Energieverbrauch, Ausgaben für Verkehr etc., also alle Dinge des täglichen Gebrauchs bezahlt.

Armut im Kanton Zürich 
Es ist nicht unsere Aufgabe, regelmässige Hilfeleistungen an Bedürftige und Armutsbetroffene auszuzahlen. Wir springen jedoch ein, wo Lücken bestehen, überbrücken dort, wo die Fürsorge nicht oder noch nicht bezahlen kann, und bewahren damit manchen Mitmenschen vor dem endgültigen Absturz.

Als armutsgefährdet werden Personen bezeichnet, die ein deutlich tieferes Einkommen als die Gesamtbevölkerung haben. Ihre Situation ist prekär, d.h. eine unerwartete Ausgabe von über 2'000 Franken kann die Person oder Familie nicht bewältigen und armutbetroffen machen.
Armutsgefährdete Personen riskieren auch sozial ausgeschlossen zu leben, weil sie sich viele Aktivitäten zusammen mit anderen Menschen nicht leisten können und sich deshalb zurückziehen.

Es gibt keine offizielle Armutsstatistik und deshalb keine klare Antwort. Der Bezug von bedarfsabhängigen Sozialleistungen von 2014 zeigt aber, wie viele Personen staatliche Unterstützung erhielten, weil ihr Einkommen unter dem Existenzminimum liegt. 8.3 %, das entspricht beinahe 118'000 Personen, die im Kanton Zürich wohnen, erhielten eine oder mehrere Leistungen. Ergänzend zur AHV wurden 31'684 Personen unterstützt. Ergänzend zur IV wurden 21'489 Personen unterstützt. Die Sozialhilfe unterstützte 45'469 Personen. Aus Studien ist bekannt, dass viel mehr Menschen arm sind oder unter dem Existenzminimum leben. Schätzungen gehen davon aus, dass 30-50% der bezugsberechtigten Personen keine Sozialhilfe beziehen. Die Zahl der Armen im Kanton Zürich ist demnach wesentlich höher einzuschätzen.

Kinder und Jugendliche sind am häufigsten von Armut betroffen. Im Jahr 2012 betrug die Sozialhilfequote der bis 17-Jährigen 5,8 %, was deutlich über dem Durchschnitt von 3.2% liegt.

Im Jahr 2014 blieb die Zahl der Sozialhilfefälle (Haushalte) auf demselben Niveau wie 2009, 2010, 2011, 2012 und 2013. Vor der Finanzkrise bis 2008 nahm die Sozialhilfequote während drei Jahren kontinuierlich ab. Seit dann stagniert sie.

Ein Working Poor ist eine Person, welche zwischen 20 und 59 Jahren alt ist und in einem Haushalt lebt, der trotz Arbeitstätigkeit (Erwerbspensum insgesamt mindestens 36 Stunden pro Woche) kein Einkommen über dem Existenzminimum zur Verfügung hat. Die neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik dazu stammen aus dem Jahr 2011. Damals mussten 3,7% der 20- bis 59-jährigen Erwerbstätigen in der Schweiz als Working Poor bezeichnet werden, was geschätzt 130'000 Personen entsprach. Wie viele Partner und Kinder mitbetroffen sind, ist nicht bekannt. Besonders betroffen sind wiederum Alleinstehende, Personen ohne nachobligatorische Ausbildung und nicht ganzjährig Erwerbstätige.

Quelle: Die Daten basieren auf Zahlen des Sozialbericht des Kantons Zürich sowie Zahlen des Bundesamt für Statistik.

Factsheet Armut in Zürich

Hier finden Sie die wichtigsten Informationen zur Armut in Zürich auf einen Blick:
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Weiterführende Informationen

Detaillierte Informationen zum Zürcher Sozialwesen und zu den verschiedenen Angeboten im Kanton finden Sie hier:
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